Unsere Linsenzüchtung
Linsen gehören zu den Leguminosen und besitzen damit die Fähigkeit mit Hilfe von Bakterien Luftstickstoff zu binden.
Insbesondere eher trockene, nicht staunasse Grenzertragsböden, wie auf der Schwäbischen Alb eignen sich zum Anbau. Weiter gedeiht sie auf kargen, kalkhaltigen, lockeren Lehmböden in Mischkultur mit Getreide, wie Hafer, und Gerste, oder Leindotter als Stützfrucht. Der Mischanbau ermöglicht ertrags- und konkurrenzschwachen Linsen-Pflanzen nicht nur aufrechtes Wachstum, sondern gleichzeitig die Unterdrückung unerwünschter Beikräuter (Horneburg und Becker 1998 aus Bachelorarbeit Aileen Neubauer - siehe unten).
Um die Wirtschaftlichkeit des hiesigen Linsenanbaus zu fördern, werden am Keyserlingk-Institut Sorten entwickelt, die sowohl in Ihrer Anbaueignung, wie in ihren qualitativen Merkmalen geeignet sind, sich am entsprechenden Nischenmarkt zu behaupten. Verbesserungen hinsichtlich agronomischer Merkmale sollen erreicht werden, doch auch auf Lebensmittelqualität, wie Koch- und Geschmackseigenschaften, wird geachtet.
Das Keyserlingk-Institut arbeitet zurzeit an der Prüfung und Weiterentwicklung der Sorten, die innerhalb der Erzeugergemeinschaft Alb-Leisa angebaut werden. Da aber auch Sorten entwickelt werden sollen, die sich für den Anbau am Bodensee (und evtl. in anderen Regionen Mitteleuropas) eignen, werden auch Genbankherkünfte und Feinschmeckersorten aus den Höhenlagen Südeuropas geprüft und ggf. auf die hiesigen Anbaubedingungen hin selektiert.

Saatgut der Sorte "Kleine Schwarze"
kann bei uns (U. Hennenkämper) bestellt werden > Kontakt
Voraussichtlich ab Herbst 2024 wird auch Saatgut der Linien "B2 kleine beige" und "Späth 1 rot" verfügbar sein. Kontaktieren Sie uns gerne für weitere Informationen.
Forschungsprojekte
WiLGeR und Legume Generation
Seit September 2023 nimmt das Keyserlingk-Institut an zwei Verbundprojekten zur Förderung des Linsenanbaus teil. Das eine Projekt wird über die Eiweißinitiative des Bundes-landwirtschaftsministeriums gefördert und hat als Kürzel die Bezeichnung "WiLGeR", was für Winterlinsen aus genetischen Ressourcen steht.
In beiden Projekten werden weder von uns, noch von unseren Partnern Labormethoden zur züchterischen Verbesserung angewendet.
Das andere Züchtungsprojekt wird von der Europäischen Union gefördert und trägt die Bezeichnung "Legume Generation".
Das Keyserlingk-Institut ist hier in der Untergruppe Linsen beteiligt, zusammen mit Uni-versitäten aus Italien und Griechenland, der Genbank von Gatersleben, sowie Saatgut-anbietern aus Frankreich und Deutschland. In den nächsten Jahren nun werden rund 1000 Linsenherkünfte charakterisiert, geprüft und ggf. vermehrt.
siehe: https://www.legumegeneration.eu/
Das Keyserlingk-Institut war beteiligt am Forschungsprojekt "LinSel", das 2022 abgeschlossen wurde. Das übergeordnetes Ziel von "LinSel" war, Landwirten an mitteleuropäische Verhältnisse gut
angepasste Linsengenotypen (Lens culinaris L.) zur Verfügung zu stellen. Damit sollen Ertrag, Ertragssicherheit und Qualität gesteigert werden und in der Folge, der Anbau der
Leguminose Linse ausgedehnt werden.
Die Koordination liegt beim Zentrum Ökologischer Landbau der Universität Hohenheim.
Im Rahmen einer Bachelorarbeit wurde im Jahr 2020 das Thema Pillierung von Linsen behandelt.
Um Linsensamen in ihrer frühen Entwicklung und Auflaufphase zu stärken und ein keimungs- und wachstumsförderndes Umfeld zu schaffen, wurde die Wirkung einer Saatgutpillierung untersucht. Zur einfachen Nachahmung interessierter Landwirte besteht die Hülle aus lokalen Materialien und ist in einem einfachen Verfahren herstellbar. Besonders interessant schienen Inhaltsstoffe wie Kompost, Molke und Baldrian. Alle drei Zusätze sind durch ihr natürliches Vorkommen im ökologischen Landbau einsetzbar und bis auf Kompost bezüglich möglicher Düngewirkungen wenig erforscht.
Die Hypothese, dass das Pillieren von Linsensaatgut die Samen in der Keimphase schützt und fördert und Wirkungen auf pflanzenbauliche Parameter, wie den Ertrag zeigt, wurde überprüft.
Pflanzenbauliche Wirkungen der Pelletierung von Linsen
(Lens culinaris Medik.) im ökologischen Landbau- Bachelorthesis zum Download